Rich Media war gestern - WebGL in der Werbung

Die vielversprechende Technologie WebGL ermöglicht 3D-Anwendungen direkt im Browser. Damit wurden auch die Grenzen des Online Advertisings erweitert.

Unsere Geschichte beginnt im Jahr 1992, als Microsoft und Sillicon Graphics zusammen versuchten eine einheitliche Grafikbibliothek zu schreiben. Das Projekt mit dem Namen Fahrenheit scheiterte jedoch aus finanziellen Gründen, bisherige Entwicklungen gingen an das Architecture Review Board, einem Fachkonsortium ähnlich der W3C, welches sich mit der Definition von Standards in der Computer-Branche beschäftigt. Damit war die Grafikbibliothek OpenGL geboren.1

OpenGL steht für Open Graphics Library, dabei handelt es sich um eine freie und plattformunabhängige Programmierschnittstelle. Die Bibliothek umfasst heute rund 250 Befehle zur Berechnung von komplizierten 2D- und 3D-Grafiken, wie sie etwa in Computerspielen oder Simulationen eingesetzt werden. Seit der ersten Version aus dem Jahre 1992 gab es eine Reihe von Updates und Erweiterungen bis zur heutigen Version 4.

Von OpenGL zu WebGL

Eine der Erweiterungen ist die OpenGL ES welche entwickelt wurde für den Einsatz in eingebetteten System. Damit sind Computersysteme gemeint, welche für einen speziellen Zweck konstruiert wurden und innerhalb dieses Anwendungsbereiches arbeiten, beispielsweise DVD-Player, Handhelds, Mobiltelefone, Unterhaltungselektronik, [...]. OpenGL ES ist daher sehr kompakt umgesetzt - Eine günstige Vorraussetzung für den Einsatz in Browsern.2

Durch die weite Verbreitung von immer leistungsstärkeren Computern in Haushalten und der durchdringenden Vernetzung durch das Internet stieg auch die Nachfrage nach 3D-Anwendungen direkt aus dem Browser heraus. Bisher war es nicht, oder nur sehr umständlich möglich komplexe 3D-Anwendungen in Echtzeit im Browser zu rendern. Entweder waren dazu Browser-Plugins von Drittanbietern nötit oder man musste auf Umgebungen wie etwa JAVA zurückgreifen, was immer zu Lasten der Rechenleistung und/oder des Benutzerkomforts ging. Aus diesem Grund entwickelte die Khronos Group, welche zuvor auch für OpenGL ES verantwortlich war, auf Basis desselben im Jahr 2009 den Standard WebGL.3

Da der Browser beim Rendern einer Seite alle Bibliotheken mitliefern muss, war der WebGL-Standard zunächst noch wenig verbreitet. Zu Beginn nahm nur die Mozilla Foundation die Bibliothek in den Browser Firefox auf, 2010 wurde der Standard auch in Googles Chrome-Browser implementiert.4 Der Internet Explorer unterstützt die Bibliothek bis heute nur über ein zusätzliches Plugin.5 Der Standard wird über die DOM-Schnittstelle angesprochen6, welche von fast allen Browsern unterstützt wird.

Neue Möglichkeiten für Entwickler und Anwender

Bis zur Etablierung des (technischen) Web 2.0 war das Web eine recht tote Landschaft. Sämtliche Grafiken, Bilder oder Animationen mussten im vorhinein gerendert und abgespeichert werden und anschließend in das HTML-Dokument eingebunden werden. Grafiken oder Animationen zur Laufzeit zu rendern war fast nur über Macromedias Browserplugin Flash möglich und bot auch nur eingeschränkte Möglichkeiten an. Auch macht es einen deutlichen Unterschied im Speicher- und Trafficbedarf ob eine übermittelte Grafik als Ganzes vom Server zum Client gesendet wird, oder ob nur Instruktionen zur Erstellung, also dem Rendern, gesendet werden.

Neue Technologien wie AJAX (asynchrones Senden und Empfangen von Daten über den Browser, ermöglicht Inhalte nachzuladen ohne die Seite komplett neu zu laden) und WebGL ermöglichen nun eine völlig neue Art des Erlebens und der Interaktion des Users mit dem Web. Denkbar sind komplexe und interaktive Simulationen für Lehre und Forschung, komplette Computerspiele, wie sie früher nur auf einer CD-ROM oder über einem Download möglich waren oder neue interaktive Werbeelemente.

Einige Beispiele

Die Spiele-Engine Turbulenz ist eine neuartige 3D-Engine welche für den Einsatz im Browser entwickelt wurde. Sie basiert zu großen teilen auf der aufwendigen Quake4-Engine. Mit ihr ist es möglich Next-Generation-Games direkt aus dem Browser heraus zu spielen, dadurch entstehen völlig neue Möglichkeiten für beispielsweise Games-on-Demand.7

Auch im Bereich der Simulation existieren schon einige Programme, wie etwa der TerrainEditor von Rob Chadwick. Dieser ermöglicht das Erstellen eines realistischen 3D-Terrains direkt im Browser. Die 3D-Berechnung wird, dank des WebGL-Standards, direkt vom Grafikprozessor beschleunigt und im Browser dargestellt.

Kunst und Kultur bekommen durch diese Technologie ebenfalls völlig neue Möglichkeiten. So etwa die Chrome Experiments Demo Wilderness Downtown: Zusammen mit der Google Maps API und HTML5 entstand eine völlig neue Art der Umsetzung eines Musikvideos zu dem Song We Used To Wait von Arcarde Fire. Zu Beginn gibt man den Namen seiner Stadt ein und schon spielt das Video in der eigenen Stadt. Animierte und live gerenderte Vögel fliegen umher und aus dem Beton der Straßen sprießen Bäume hervor.

Online Advertisment auf neuem Niveau

Noch hat die Werbeindustrie WebGL als neue Werbeform kaum entdeckt, was aber auch auf die bisher noch zu geringe Verbreitung des Standards zurückzuführen ist. Bisher gibt es nur einige Experimente seitens der Werbeindustrie mit WebGL, wie etwa das Promotion-Video Three Dreams of Black zum 2011 erschienenen Album Rome von Danger Mouse, Daniele Lupi und Norah Jones. Das Video wird in Echtzeit im Browser gerendert und verbindet reale Filmsequenzen mit komplett gescripteten Szenen und 3D-Modellen und Effekten.

Auch Apple will auf den Zug aufspringen und liefert die Bibliothek in deren Ad-Software iAds mit.8 Dadurch werden Advertisern neue Möglichkeiten gegeben Werbung interaktiv zu machen und interessanter zu gestalten.

Besonders interessant scheint diese Technologie auch für Güter mit einer hohen Awerness, beispielsweise der Auto-Industrie. Toyota hat hier einen ersten Schritt gemacht und eine 3D-Online-Promotion des Toyota 4Runners ins Leben gerufen, welche zwar nicht auf WebGL basiert, aber die Viewpoint-Technologie nutzt. Damit war es möglich eine virtuelle 3D-Präsentation des Autos im Browser darzustellen.9

Was die Zukunft noch bringen wird, und an welchen Technologien zur Zeit gearbeitet wird ist noch ungewiss. Klar ist aber dass WebGL eine saubere und performante Lösung bietet um 2D- und 3D-Elemente direkt im Browser zu rendern. Die Anwendungen sind vielfältig und mit Gedanken an 3D-Fernseher und Augmented Reality wird es noch viele Anwendungsmöglichkeiten für WebGL in der Werbung geben.9 Auch bisherige 3D-Elemente wie the Cube von Fastbridge und Tunnel2310 könnten über WebGL realisiert werden.

Quellen